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DIAGNOSTIK

für das Trockene Auge

Es gibt für das Trockene Auge eine Reihe von Untersuchungen und Tests, die verschiedene Funktionen der Augenoberfläche prüfen, um zu sehen, ob und inwieweit sie intakt oder gestört sind.

Dies betrifft vor allem verschiedene Eigenschaften des Tränenfilms, der die Augenoberfläche feucht hält - immer und überall. Der Tränenfilm ist der entscheidende Faktor, die Zellen der Augenoberfläche gesund erhält und für eine gute Sehschärfe sorgt.

Weiterhin wird die Funktion der Drüsen geprüft, die verschiedene Anteile der Tränenflüssigkeit bilden. Hierbei stehen vor allem die Tränendrüse in Vordergrund, die wässrige Tränen bildet, und die Meibomdrüsen in den Augenlidern, die das wichtige Öl bilden damit das Tränenwasser nicht so schnell verdunstet.

Bei der Untersuchung ist es wichtig, die verschiedenen Tests in einer Reihenfolge durchzuführen, bei der ein Test nicht die Ergebnisse nachfolgender Untersuchungen stört.

Auf der nachfolgenden Abbildung sind einige wichtige Untersuchungen in der typischen Reihenfolge gezeigt. Beim ´Anklicken´ der Abbildungen links sind weitere Erklärungen dazu verfügbar.

Die Ergebnisse der diagnostischen Untersuchungen zeigen, welche Funktionen in welchem Ausmass gestört sind und geben daher Hinweise, welche Therapie aussichtsreich ist, um die Beschwerden zu bessern.

 

Verschiedene TESTS

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Informationen zu Diagnostischen Tests

Augen-LID und BLINZEL DYSFUNKTION (LBD) - Unregelmässigkeiten des Lidschlages

Die Augenlider verteilen durch den normalen kompletten Lidschlag die Tränen zum gleichmässige Tränen-FILM auf der Augenoberfläche in der geöffneten Lidspalte. Der Tränenfilm hält die Augenoberfläche feucht und ist daher die Grundlage für ihre Gesundheit.

Störungen des normalen Lidschlages treten meist auf:

  • wenn das Augenlid in seiner Form und Stellung verändert ist. Dies tritt vor allem im Alter auf durch Erschlaffung des Gewebes oder bei narbigen Verziehungen.

  • wenn der Ablauf des Lidschlages gestört ist - meist ist dies ein Inkompletter Lidschlag.

Da der Tränenfilm nur etwa 10-15 Sekunden stabil bleibt und danach aufbricht, muss er regelmässig durch die Wischbewegung des Oberlides beim Lidschlag erneuert werden.

Bei einem inkompletten Lidschlag wird das Auge aber nicht komplett geschlossen und daher wird der Tränenfilm bei der Öffnung des Oberlides nicht komplett erneuert, sondern nur in dem oberen Bereich über den das Lid gewischt ist. Im unteren Teil dagegen bleibt der ´alte´ aufgebrochene Tränenfilm bestehen und das Gewebe trocknet aus. Daher konnen inkomplette Lidschläge zu Beschwerden eines Trockenen Auges führen wenn sie sich häufen. Bei Patienten, die bereits ein Trockenes Auge haben, kann man häufig feststellen, dass sie überwiegend inkomplette Lidschläge machen.

Die Analyse der Lidschläge ist klinisch nicht einfach ... und wird durch konventionelle Geräte nicht festgestellt

Weil inkomplette Lidschläge unauffällig sind werden sie typischerweise nur bei spezifischer Untersuchung an der Spaltlampe entdeckt. Allerdings ist dies schwierig, weil der Lidschlag sehr schnell erfolgt - ausserdem ist die Untersuchung des Lidschlages störungsanfälig und zeitraubend. Übliche medizinische Geräte erlauben typischerweise keine automatische Untersuchung des Lidschlagmusters und inkompletter Lidschläge.

Eine Ausnahme ist das LipiVIEW Interferometer (Fa. TearScience Inc.), das bei der Analyse der Tränenfilm-Lipidschicht und der Tränenfilm-Stabilität auch gleich automatisch die Lidschläge, im Sinne der Häufigkeit und Vollständigkeit, aufzeichnet.

Tränenfilm LIPID-SCHICHT Dicke

Die Ölschicht auf dem Tränenfilm hat die Funktion die Verdunstung der Wässrigen Tränen, also des ´Tränenwassers´ zu verlangsamen und dadurch den Tränenfilm über eine längere Zeit stabil zu halten. Die Dicke der Ölschicht oben auf dem Tränenfilm hat also eine wichtige Bedeutung für die Feuchterhaltung der Augenoberfläche, für die Erhaltung der Gesundheit … und damit letztlich für die Vermeidung eines Trockenen Auges.

Öl-Mangel auf dem Tränenfilm, meist durch Verstopfung der Meibomdrüsen in den Augenlidern, ist die häufigste Ursache für ein Trockenes Auge. Daher ist die Bestimmung der Dicke der Lipidschicht wichtig, um zu prüfen ob hier ein Mangel vorliegt, der verantwortlich für die Entwicklung eines Trockenen Auges sein könnte

Die Dicke der Ölschicht wiederum lässt sich durch die Messung der Interferenzfarben bestimmen. Diese sind ähnlich den schillernden Farben eines Ölflecks auf einer Wasserlache oder den Farben an der Oberfläche einer Seifenblase. Die Farben stehen in direkter Beziehung zur Dicke der Ölschicht, die in einem Bereich um etwa 100 Nanometer, also einem Zehntausendstel Millimeter, liegt.

Verschiedene diagnostische Geräte bieten durch eine geeignete Beleuchtung die Möglichkeit in der klinischen Praxis die Interferenzfarben der Tränenfilm-Lipidschicht einfacher darzustellen, als dies mit einer normalen Spaltlampe möglich ist.

Eine orientierende Darstellung der Interferenzfarben, die die Dicke der Ölschicht anzeigen ist bereits mit einfachen Geräten möglich, die ohne grossen Aufwand an eine bestehende Spaltlampe angeschlossen werden können, z.B. mit dem Bon Polaris.

Die exakte Vermessung der Dicke der Lipidschicht ist aktuell aber nur mit dem LipiVIEW Interferometer möglich. Diese Gerät bestimmt die Dicke äusserst genau im Bereich von einem Nanometer. Gleichzeitig bestimmt dieses Gerät Häufigkeit, Muster und Vollständigkeit der Lidschläge.

Tränen-Menge / Tränenmeniskus Höhe (TMH)

Der TRÄNEN MENISKUS ist ein Indikator für die Tränen-MENGE auf dem Auge_www.OSCB-Berlin.org_20_.jpg

Die Tränen-Meniskus ist der Tränensee, der sich am unteren und am oberen ´Ende´ des Tränenfilms auf dem Lidrand bildet.

Seine Höhe steht in direkter Beziehung zur Menge der Tränenflüssigkeit auf dem Auge und gibt damit Auskunft über den aktuellen Feuchtigkeitszustand des Auges.

Die Menge der Tränen kann über die Höhe oder die Kurvatur des Tränen-Meniskus bestimmt werden. Einfacher ist die Messung der Höhe, weshalb dies auch aktuell das Standardverfahren ist.

Allerdings gibt die Menge der Tränen keine Auskunft über ihre Zusammensetzung, also die Qualität.

Auch ist aus dem Tränen-Meniskus nicht erkennbar ob die Tränenmenge, durch ein zuviel oder zuwenig von Tränenbildung oder aber durch den Einfluss von Verdunstung entstanden ist.

Aber … immerhin … geht man typischerweise davon aus, dass bei einem normalen Tränen-Meniskus wohl keine groben Störungen der Befeuchtung an der Augenoberfläche vorliegen.

Tränen OSMOLARITÄT

Bei Erhöhter Verdunstung (blaue Pfeile) des Tränenwassers werden die gelösten Stoffe (Salze und Proteine - in der Abb. als weisse Kugeln) stärker konzentriert. Dies führt zu lokal dünnem mit erhöhter Salzkonzentration (Hyperosmolarität), und damit zu Augen Brennen und  Zellschädigung .

Bei Erhöhter Verdunstung (blaue Pfeile) des Tränenwassers werden die gelösten Stoffe (Salze und Proteine - in der Abb. als weisse Kugeln) stärker konzentriert. Dies führt zu lokal dünnem mit erhöhter Salzkonzentration (Hyperosmolarität), und damit zu Augen Brennen und Zellschädigung.

Bei einem Mangel an Tränenfilm Lipiden (meist bei Verstopfung der Meibom Öldrüsen in den Augenlidern) entsteht eine ausgedünnte Ölschicht auf dem Tränenfilm.

Das Tränenwasser verdunstet dann schneller (blaue Pfeile in nebenstehender Abbildung). In der Folge:

  1. reduziert sich die Menge der Tränen auf dem Auge, was typischerweise zu verringerter ´Schmierung´ zwischen Augenlid und Augapfel beim Lidschlag führt, und damit zu einer erhöhten mechanischen Reibung. Zusätzlich

  2. führt die Konzentrierung gelöster Stoffe in den Tränen zu einer erhöhten Osmolarität, auch als ´Hyperosmolarität´ bezeichnet. Diese übt einen schädlichen Wasser-entziehenden osmotischen Effekt auf die empfindlichen Zellen der Augenoberfläche aus

Sowohl erhöhte Reibung wie auch erhöhte Osmolarität stellen einen Entzündungsreiz dar. und können zum Fortschreiten des Trockenen Auges zu einer chronischen Entzündungskrankheit beitragen.

Die Tränenfilm-Osmolarität lässt sich heute mit mit einem Handgerät (TearLab) und sterilen Einmal-Messköpfen einfach messen. Die Nützlichkeit dieser Methode wird unterschiedlich beurteilt und das Vorliegen einer Entzündungsreaktion beim Trockenen Auge lässt sich für den erfahrenen Kliniker auch oft am Gesamtzustand der Augenoberfläche näherungsweise einschätzen. In Zweifelsfällen, z.B. wenn sich ein moderater klinischer Befund deutlich unterscheidet von starken Symptomen eines Patienten, kann die Bestimmung der Osmolarität durchaus einmal nützlich sein.

Tränen-FILM STABILITÄT (Break-Up Time - BUT / Tränenfilm Aufbruchszeit - TAZ)

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Die Tränenfilm Aufbruchszeit (BUT) ist einer der wichtigsten funktionellen Werte, da ein intakter Tränenfilm die Grundlage für für die Befeuchtung und damit Gesundheit der Augenoberfläche ist. Die beschreibt die Zeit in Sekunden, die der Tränenfilm intakt bleibt bis zu seinem ersten Aufbruch an irgendeiner Stelle.

Üblicherweise wird die Stabilität des Tränenfilms geprüft durch die Gabe des gelblich-grünenVitalfarbstoffs Fluoreszein für den sogenannten FLUO-BUT Test (F-BUT) . Dies dient dazu, die Oberfläche des Tränenfilms ausreichend sichtbar zu machen.

Der Tränenfilm sollte mindestens für 10 Sekunden stabil sein, bevor er aufbricht. Da beim Aufbruch des Tränenfilms die Austrocknung der Augenoberfläche beginnt, wird ein entsprechender Reiz an das Gehirn geschickt, der einen neuen Lidschlag zur Ausbreitung eines neuen Tränenfilms auslösen soll.

Die Stabilität von 10 Sekunden bedeutet immerhin noch, dass man in einer Minute mindestens 6 mal einen kompletten Lidschlag machen müsste, damit die Augenoberfläche nirgendwo beginnt zu trocknen. Wenn die Stabilität auf 5 Sekunden reduziert ist, also die halbe normale Dauer, dann müsste man bereits doppelt so oft blinzeln, in diesem Fall 12 mal pro Minute.

Da die meisten Patienten etwa 12 Lidschläge pro Minute faktisch nicht schaffen, führt also eine reduzierte Tränenfilmstabilität meistens zu stellenweiser Austrocknung der Augenoberfläche und entsprechenden Beschwerden eines Trockenen Auges.

VITALFÄRBUNG der Augenoberfläche macht Schäden sichtbar

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Die Darstellung von Beschädigungen der Augenoberfläche durch Vitalfarbstoffe ist eine wesentlicher Eckpfeiler der in der Diagnostik der Augenoberfläche generell und speziell beim Trockenen Auge.

Verschiedene Farbstoffe (meist Fluoreszein, seltener Lissamingrün) werden in der Klinik am Patienten direkt auf das lebende vitale Gewebe gegeben ohne Schaden anzurichten.

Die Vitalfarbstoffe binden nur an geschädigten Stellen, die durch Oberflächenschäden entstehen, z.B. beim Trockenen Auge. Das Anfärbungsmuster zeigt die Regionen in denen das Gewebe beschädigt ist. Die Menge der Anfärbung entspricht dem Schweregrad der Störung.

Punktförmige Anfärbungen entsprechen im Prinzip einzelnen geschädigten Zellen oder Gruppen von Zellen. Abhängig von der zugrunde liegenden Störung können spezifische Färbungsmuster entstehen, wie hier in der Schemazeichnung eine bandförmige Anfärbung im unteren Bereich der Lidspalte.

An der gesunden Augenoberfläche sind normalerweise keine Färbungspunkte erkennbar. Je mehr Zellen geschädigt sind desto stärker ist die Anfärbung. Meist wird der Schweregrad nach dem sogenannten ´Oxford-Schema´ in 5 Gruppen eingeteilt. Diese reichen von ´0´ (normal, keine Anfärbung) bis ´4´ (sehr starke dichte Anfärbung über die gesamte Oberfläche). Die schematische Zeichnung hier entspricht etwa der Stufe 2 (deutliche Anfärbung aber nicht über die gesamte Oberfläche).

LId-Parallele COnjunctivale Falten (LIPCOF)

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Lid-Parallele Conjunctivale Falten, meist abgekürzt als LIPCOF sind ein wichtiges Zeichen der Gewebezerstörung beim chronischen Trockenen Auge. Sie wurden entdeckt und benannt von Frank SCHIRRA während seiner Promotionsarbeit Mitte der 1990er Jahre.

Die LIPCOF Falten zeigen eine Auflockerung des Bindehautgewebes an, die als ´Conjunctivochalasis´ bezeichnet wird (von dem Griechischen Wort χάλασις ("chalasis") für auflockern).

Die Auflockerung entsteht durch die chronische Entzündung beim Trockenen Auge, bei der andauernd grosse Mengen von Eiweiss auflösenden Enzymen feigesetzt werden. Es handelt sich dabei um Matrix-Metalloproteinasen (MMP), vor allem vom Typ MMP9.

Wenn die Bindehaut durch eine Zerstörung ihres normalen Kollagenfasernetzwerks aufgelockert ist, dann schlägt sie Falten bei allen Bewegungen des Augapfels gegenüber den Augenlidern und vor allem durch die häufige Bewegung des Augenlides über den Augapfel beim Lidschlag.

Die Bildung der Falten wird begünstigt durch die erhöhte Reibung, die typischerweise beim Trockenen Auge besteht durch den Mangel der Tränen in ihrer Menge und/oder Qualität und ihre dadurch verminderter ´Schmierung-Wirkung´ zwischen Augenlidern und Augapfel.

LIPCOF Falten treten vor allem parallel zum Lidrand auf und lassen sich vor allem am Unterlid in temporaler Position beobachten. Mit zunehmender Zerstörung nimmt die Zahl der Falten, die sich am Lidrand übereinander lagern zu (siehe schematische Abbildung).

Konjunktivaler Rötungsindex

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Der Konjunktivale Rötungsindex ist ein numerischer Wert für die relative Rötung der Augenbindehaut bei verschiedenen Erkrankungen.

Dabei wird mit einer Digitalcamera ein Foto der Augenoberfläche gemacht und danach mit einer Software automatisch die relative Rötung gegenüber einer normalen blassen Bindehaut bestimmt und als numerischer Wert ausgegeben.

Beim Trockenen Auge kommt es typischerweise meist nicht zu einem intensiven “Roten Auge”, wie zum Beispiel bei allergischen Entzündungen. Dennoch nimmt die Rötung der Bindehaut auch bei einem chronischen Trockenen Auge zu, wenn die entzündliche Aktivität ansteigt , z.B. wenn die anfänglich subklinische, also weitgehend unsichtbare, Entzündung übergeht in eine klinisch sichtbare Entzündung.

Auch wenn eine intensive Rötung nicht unbedingt typisch für ein Trockenes Auge ist, kann doch die Objektivierung der Bindehaut-Blutfüllung ein nützlicher zusätzlicher Parameter zum Vergleich verschiedener Patienten miteinander und zur Verlaufskontrolle bei einem individuellen Patienten sein.


MMP-9 Enzym Test zum Nachweis einer Entzündung der Augenoberfläche

Entzündungsreaktionen sind ein wichtiger Teil des Krankheitsgeschehens beim Trockenen Auge.

Durch die chronische Störung des Gewebes bei Tränenmangel mit erhöhter Reibung an der Augenoberfläche und erhöhter Osmolarität des Tränenfilms werden Entzündungsmechanismen aktiviert. Diese führen zu immer weiterer Zerstörung und degenerativen Umbau des Gewebes. Wichtige Faktoren hierbei sind inflammatorische Zytokine (v.a. IL1, IL6, TNF-alpba) die weitere Entzündungszellen anlocken und aktivieren, Adhäsionsmoleküle an den Gefäss-Endothelzellen, die die Einwanderung von Entzündungszellen aus dem Blut dirigieren, sowie Gewebe-auflösende Enzyme wie Matrix-Metalloproteinase (MMP), vor allem MMP-9, die”Platz schaffen” sollen für eine effektive Entzündungsreaktion.

MMP9 ist ein wesentlicher Faktor bei der chronischen Entzündungsreaktion des fortgeschrittenen Trockenen Auges. Durch die Auflösung der normalen Gewebestruktur führt MMP-9 bei chronischer Entzündung zu einem degenerativen Gewebeumbau mit Verlust der normalen Funktion. Ein Nachweis von MMP-9 Enzymen im Gewebe und Tränenfilm ist ein daher wichtiger diagnostischer Faktor zum konkreten Nachweis einer Entzündung an der Augenoberfläche. Dies kann für die Indikationsstellung zur Durchführung einer anti-inflammatorischen Therapie beim Trockenen Auge nützlich sein.

Solche Untersuchungen waren bisher nur in einem wissenschaftlichen Labor möglich. Seit kurzem ist es möglich geworden einen MMP9 Nachweis direkt in der Praxis am Patienten durchzuführen mit einem MMP Proteinnachweis Stäbchen (InflammaDry), ähnlich einem Schwangerschaftstest. Die Geräte Spitze wird in intensiven Kontakt mit der Bindehaut im unteren Fornix gebracht und der Befund kann innerhalb einiger Minuten durch Bildung von Färbungsstreifen abgelesen werden.


SCHIRMER Test zur wässrigen Tränen-PRODUKTION

SCHIRMER-Test, Tränen, Trockenes Auge, Sicca, Tears, Tear Film Dry Eye Disease_Ohne Text mit STREIFEN_20_(c) ENK, www.OSCB-Berlin.org__.jpg

Der Schirmer Test misst die Menge der Produktion wässriger Tränenflüssigkeit durch die Tränendrüse. Meist wird der Test als Schirmer-1 Test ohne ein Tröpfchen Lokalanästhetikum durchgeführt, um die maximale Produktions-Kapazität der Tränendrüse zu prüfen.

Dabei wird ein standardisierter Filterpapierstreifen über das temporale Drittel des unteren Lidrandes gehängt.

Da der Filterpapierstreifen einen gewissen Reiz darstellt testet der Schirmer 1 Test (ohne Lokalanästhesie) also bereits eine stimulierte "Reiz-Sekretion" - und nicht eine sogenannte basale Tränensekretion. Daher gibt dieser Test Auskunft über die maximale Leistungsfähigkeit der Tränendrüsen und somit über ihre Gesundheit.

Als Mindestwert für die wässrige Tränenproduktion innerhalb von 5 Minuten wird meist 10mm Benetzungsstrecke angegeben. Werte darunter gelten als zu geringe Tränenproduktion.

Interessanterweise haben viele Patienten mit einem “Trockenen Auge” eine zu hohe wässrige Tränenproduktion - also Werte weit über 10mm, teils sogar einen komplett durchnässten Streifen. Dies ist dadurch zu erklären, dass das sogenannte ´Trockene´ Auge faktisch ein chronischer Reizzustand der Augenoberfläche ist, bei dem die Reizung oft zu einer reflektorisch überschiessenden wässrigen Tränenproduktion führt.

Nur bei den seltenen Störungen der Tränendrüse selbst, die chronisch entzündlich oder sogar autoimmun sind, liegt typischerweise ein Wert unter 10mm oder sogar unter 5mm im Schirmer-1 Test vor. Solche Störungen sind z.B. das sehr seltene Sjögren Syndrom bei dem meist auch die Drüsen im Mund gestört sind, oder eine autoimmunologische Entzündung bei der Graft versus Host Disease (GvHD) nach Knochenmarktransplantation. Auch bei sehr lange bestehendem chronisch entzündlichem Trockenen Auge kann die wässrige Tränenproduktion durch Beteiligung der Tränendrüse gestört sein.

Diagnostische Expression der Meibomdrüsen - Lipidausschüttung

Der einfachste Test für die effektive Funktionalität, bzw. die ´Aktivität´ einer Meibomdrüse ist die DIAGNOSTISCHE Drüsen-EXPRESSION. Dies ist ein Test für die normale Ausschüttung von bereits fertig produziertem Öl aus dem Gangsystem der Meibomdrüsen auf den hinteren Lidrand. Es wird also getestet ob die Drüsen aktiv Öl bilden oder nicht.

Die Diagnostische Expression ist praktisch das ´ölige Äquivalent´ des Schirmer Tests für die wässrige Sekretion, denn:

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  • sie testet die Verfügbarkeit des Sekretionsproduktes auf der Augenoberfläche - im Fall der Meibomdrüsen durch den Test der Freisetzung des Öls auf den Lidrand

  • aus den Meibomdrüsen, deren eigentliche Sekret-Produktion tief im Inneren der Drüsen in den sekretorischen Endstücken abläuft.

Die Diagnostische Expression des Meibomöls wird mit sehr mildem Druck ausgeführt, z.B. durch leichten Druck mit dem Finger von aussen auf den Lidrand, um zu prüfen, ob normales klares flüssiges Meibomöl sich leicht aus den Öffnungen der Meibomdrüsen entleert. Dies ist ein Nachweis, dass normales Öl im Gangsystem verfügbar ist und durch einen sehr leichten Lidrand-Druck, entsprechend dem, der beim normalen Lidschlag auftritt, freigesetzt werden kann.

Um den sehr milden Druck (1,25g pro mm2), der bei normalen Lidschlag entsteht, einzuhalten ist es nützlich ein kleines Instrument zu verwenden - den MGE (Meibomian Gland Evaluator, Fa. TearScience). Dieses handgehaltene Instrument erzeugt exakt den definierten Druck über eine Fläche, die etwa 5 Meibomdrüsen gleichzeitig erfasst. So kann man standardisiert in jedem Unterlid Drittel 5 Meibomdrüsen prüfen.

Meibomdrüsen Darstellung im Augenlid durch MEIBOGRAPHIE

Meibographie ist die Darstellung der Meibomdrüsen im Augenlid des Patienten direkt in der Praxis des Arztes.

Dies ist eine wertvolle Technik um

Dual Mode DMI Meibography_LipiVIEW und LipiSCAN, TearScience_.jpg
  • (diagnostisch) den Zustand der Meibomdrüsen bei Patienten mit Trockenem Auge zu beurteilen, ob bei einer Verstopfung der Meibomdrüsen-Ausführungsgänge und der Drüsenöffnung auf dem Lidrand bereits eine Schädigung der Drüsen durch den dauerhaft erhöhten Druck besteht und um ggf. im Verlauf der Therapie Veränderungen zu dokumentieren.

  • (edukativ) dem Patienten durch eine realistische Darstellung der Meibomdrüsen unmittelbar zu zeigen, wie der Zustand ´seiner´ Meibomdrüsen mit dem Beschwerdebild des Trockenen Auges zusammenhängt und wie wichtig z.B. eine konsequente heimische Physikalische Lidrand Therapie für die Verbesserung der Erkrankung ist.

Spezialisierte Geräte für die Meibographie_(c)ENK, www.OSCB-Berlin.org_.jpg

Die Darstellung des Drüsengewebes erfolgt typischerweise durch eine Auflichtbeleuchtung der Drüsen von der Innenseite des Augenlides. Im Infraroten Licht erscheinen die Drüsen hell. Allerdings ist die Darstellung der Meibomdrüsen nicht einfach, da die Augenoberfläche ein natürliches ´Feuchtgebiet´ ist - eine Schleimhaut - und daher eine feuchte Oberfläche hat, die bei Beleuchtung viele Reflexionen produziert.

Störende Reflexionen treten daher typischerweise auf den meisten Meibographiebildern auf und es erfordert einen gewissen Grad von Erfahrung des Untersuchers die Reflexionen möglichst gering zu halten, um ein aussagekräftiges Foto für die klinische Verlaufs-Dokumentation anzufertigen.

Eine Fotodukumentation mit perfektem Kontrast und Auflösung erlaubt es, die Meibomdrüsen so darzustellen, als wären sie freiiegend und nicht bedeckt von dem darüberliegenden Gewebe der Lidplatte und der Augenbindehaut. Dadurch ist die Struktur der Drüsen unmittelbar erkennbar für den Arzt … und auch für den Patienten.

Die perfekte und störungsfreie Darstellung solch schwieriger Objekte wie der Meibomdrüsen erfordert anspruchsvolle Systeme für die Beleuchtung und für die elektronische Bildverarbeitung die kombiniert werden müssen, um eine perfekte Bildqualität zu erzielen. Aktuell gibt es nur einen Gerätetyp, der diese Anforderungen erfüllt und es daher erlaubt Meibomdrüsen Fotos von ungekannter Klarheit und Präzision in fast histologischer Auflösung zu erzeugen - das Lipiview und das Lipiscan (Fa. TearScience Inc.) .